Die Verbindung von Wort und Bild

Resümee

Richard Löwenherz verführt Lady Faulconbridge (1968)

Den Auslöser zu dieser Arbeit gab die aufgestellte These, daß sich das zeichnerische und schriftstellerische Werk Dürrenmatts beeinflußt haben. So bin ich bei dieser Analyse bemüht gewesen, aufzuzeigen, daß das Zeichnen in den literarischen Schaffensprozeß mit eingebunden war. Außerdem sollte dargestellt werden, in welcher Form sich das zeichnerische Werk Dürrenmatts auf die literarischen Stücke niederschlug. Die Funktionen des Zeichnens sollten erkennbar werden.

Durch die durchgeführten Untersuchungen läßt sich diese anfängliche These belegen.
An den unterschiedlichen Funktionen, die seine Zeichnungen für Dürrenmatt hatten, erkennt man die Verbindung von „Wort“ und „Bild“. (…)

Auch Dürrenmatts Zeichnungen zu seinen Theaterstücken sind sehr interessant, weil sie, wie im Fall von „König Johann“ zeigen, wie sich Dürrenmatt das Bühnenbild oder die Anordnung der Schauspieler auf der Bühne vorstellte. Außerdem werden Szenen dargestellt, die in dem literarischen Stück nur gesprächsweise erwähnt, aber nie szenisch ausgespielt wurden.
Besonders verzweigt sind die Bezüge zwischen literarischem und zeichnerischem Schaffen Dürrenmatts, wenn man die Stoff-Komplexe des „Minotaurus im Labyrinth“, des „Turmbaus“ und der „Kreuzigung und Auferstehung“ betrachtet. Ein zu Beginn stehendes Werk, ob nun literarisch oder zeichnerisch, wird immer wieder in abwechselnder Ausformung, übernommen und weiterentwickelt. Jede weitere Ausformung, und wenn sie erst Jahre später entsteht, nimmt den Gedankengang Dürrenmatts wieder auf und entwickelt ihn weiter.

Eine wichtige Funktion, die das Zeichnen für Dürrenmatt gehabt hat, ist nicht in diesem Bereich angesiedelt, den Dürrenmatt selbst mit „seinen gemalten und gezeichneten Schlachtfeldern seiner literarischen Kämpfe beschreibt“.
Es hat ihm Spaß gemacht, zu zeichnen und diese Arbeitsweise ist ihm, wie bereits erwähnt, auch leichter gefallen als das Schreiben. Daß er aus diesem Grund die Schriftstellerei aber der Malerei vorzog, weil sie für ihn die größere Herausforderung darstellte, habe ich bereits ausgeführt. Der Spaß, den Dürrenmatt beim Erstellen eines Bildes empfand, beschrieb er selbst so:

„[…] plötzlich erfaßt mich die Leidenschaft, es ist, als erschaffe sich aus diesem Nichts, aus der weißen Leere des Kartons, von selbst eine Welt“.

Diese Einstellung findet sich, in der durchgeführten Analyse seines nicht-fiktionalen Werkes auch in seinen Essays und Reden wieder. Auch hier fordert er, wie bereits genannt, eine natürliche Herangehensweise an die Kunst. Er wollte sich diese nicht durch theoretische Forderungen verstellen. Kunst zu schaffen verglich er mit dem Versuch Welten zu erobern:

„Kunst ist Welteroberung, weil Darstellen ein Erobern ist […].“

und genau dies war es, was er auch durch seine Schriftstellerei versuchte: „Die Welt, die ich nicht zu erleben vermochte, wenigstens zu erdenken, der Welt Welten entgegenzusetzen.“

Schlußbemerkung

Die Verbindung von literarischem und zeichnerischem Schaffen Dürrenmatts ist, wie anhand der durchgeführten Untersuchungen zu sehen ist, sehr groß. Dürrenmatt schuf nicht nur bekannte literarische Werke, sondern hinterließ auch eine große Fülle von zeichnerischen Arbeiten. Viele dieser Arbeiten standen in engem Zusammenhang.
Diese Verbindung ist, wie ich finde, sehr interessant. Umso erstaunlicher ist es, daß diese Tatsache nur wenigen Menschen bekannt ist. Auch in der umfangreichen Sekundärliteratur zu Friedrich Dürrenmatt gibt es bis heute nur wenige Hinweise darauf.

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