Varlin schweigt, Dürrenmatt nicht…

Essays, Texte und Reden Dürrenmatts zur bildenden Kunst

 

Varlin: Bildnis Friedrich Dürrenmatt (1963, CDN))

Die Texte Dürrenmatts, die sich mit bildender Kunst und Künstlern befassen, lassen sich in drei Gruppen einteilen:
Es gibt Vorworte, die Dürrenmatt für Ausstellungskataloge geschrieben hat, Reden die er zu künstlerischen Themen gehalten hat und Essays, in denen er sich mit seinem eigenen Schaffen oder speziellen künstlerischen Themen auseinandersetzt.
Die Betrachtung dieser Texte ist insofern interessant, als man aus ihnen Rückschlüsse auf Dürrenmatts Verhältnis zur Kunst ziehen kann. Man sieht hier den Kritiker Dürrenmatt, der sich mit verschiedenen Kunstrichtungen auseinandersetzt und die Strömungen der Zeit oder auch das Einwirken der Politik kommentiert. Es wird deutlich, daß Dürrenmatt auf dem Gebiet der Malerei über ein sehr großes Wissen verfügte: Er war vertraut mit den Epochen der Kunst, verschiedenen Stilen und auch unterschiedlichen Materialien, wie Öl,-Acryl und Temperafarbe:

Sicher, das Material, womit einer malt, macht viel aus. Die Frage aber ist, warum ein bestimmtes Material gewählt wird.

Reden

Dürrenmatt hat einige Reden über Kunst und Künstler gehalten: In der Galerie Erker in St. Gallen sprach Dürrenmatt 1982 über den Künstler „Jef Verheuyen“, an der Frankfurter Universität hielt er 1984 den Vortag über „Kunst und Wissenschaft“. Doch keine Rede wurde so bekannt wie „Varlin schweigt“. Varlin erhielt 1967 den Kunstpreis der Stadt Zürich, die Dankesrede hielt Dürrenmatt an seiner Stelle, da Varlin nicht sprechen wollte.
Die Ansprache geriet zu einer späten Antwort auf den sogenannten „Züricher Literaturstreit“ den der Preisträger des Vorjahres, Emil Staiger, mit seiner Rede ausgelöst hatte. Staiger hatte an die sittliche Gesinnung der Autoren appelliert. Berühmt wurde Staigers Satz: „Wenn solche Dichter behaupten, die Kloake sei ein Bild der wahren Welt, Zuhälter, Dirnen und Säufer Repräsentanten der wahren, ungeschminkten Menschheit, so frage ich: In welchen Kreise verkehren sie““
Viele Autoren fühlten sich von Staigers Kritik angegriffen, die Debatte über die Rede füllte wochenlang die Züricher Zeitungen. Dürrenmatt hielt sich während dieser ganzen Zeit zurück. Erst ein Jahr später antwortete er Staiger in seinem Vortrag „Varlin schweigt“. Diese Antwort fiel so deutlich aus, daß ihm in der Sekundärliteratur teilweise vorgehalten wird, eine „verfehlte Polemik“ betrieben zu haben. An Dürrenmatts Ausführungen läßt sich nicht nur erkennen, wie er dem Thema „sittliche Gesinnung in der Kunst“ gegenüberstand, es macht auch deutlich, welche Herangehensweise an Kunst Dürrenmatt bevorzugte: Nicht die eines Moralisten, der bemüht ist hinter „ihre Stile und sittlichen Nutzwerte“ zu kommen, sondern die eines Menschens, der die Kunst wie ein „Naturphänomen“ annimmt und sich an ihren immer wieder neuen Formen und Inhalten erfreut.
Dürrenmatt nennt den Literaturstreit des letzten Jahres als einen Grund dafür, warum Varlin keine Rede hält:

Er ist nicht grundlos eingeschüchtert. Die Folgen des letztjährigen Streites waren nicht unbedenklich.

(…)
Letzter Grund für Varlins Schweigen ist laut Dürrenmatt der Ort der Preisverleihung: Die Tonhalle. Für jeden Menschen gibt es seiner Meinung nach Gebäude, wo er sprechen darf und solche, wo er schweigen muß. An dieser Stelle kritisiert Dürrenmatt Emil Staiger dann ganz offen:

[…] denn wenn ein Maler in der Tonhalle schweigen muß, warum durfte dann letztes Jahr ein Literaturprofessor im Schauspielhaus reden“. „Ich betrete auch nicht eine Kirche und halte auf der Kanzel eine Brandrede gegen Theologen, die mir nicht liegen. […]

Dürrenmatt fragt sich im weiteren Verlauf der Rede, wie bildende Künstler mit der „sittlichen Gesinnung“ umgehen. Er überlegt, ob diese ihnen den Pinsel führt und ob die sittliche Gesinnung dem Maler diktiert, was er zu erschaffen hat. Gegen Ende seiner Ausführungen gibt Dürrenmatt diese Antwort selbst: „Vielleicht findet er jeden Streit über Malerei und Literatur unsinnig. Vielleicht ist er der Meinung, daß wir uns den Weg zu einer Kunst versperren, wenn wir an sie Forderungen stellen.“ Dürrenmatt erklärt, daß man der Kunst gegenüber „Spaß und Neugier“ empfinden und sich ihr nicht als Moralist gegenübertreten sollte.
Dürrenmatt wehrt sich gegen die von Staiger geforderte „Kunstform der Harmonie“ . Interessant ist, daß Dürrenmatt diese Absage generell erteilt, er findet Auseinandersetzungen über „Malerei und Literatur unsinnig“. Er nennt beide Ausdruckssformen im gleichen Atemzug, wenn er fordert, sich den Weg zur Kunst nicht durch „sittliche Forderungen“ zu verstellen.
Am Schluß der Rede bedenkt Dürrenmatt die Stadt Zürich und „ihre Bemühungen“ bei der Verleihung des Kunstpreises mit einigen spitzen Bemerkungen. Diese Ausführungen sind ein gutes Beispiel für den „Kritiker Dürrenmatt“, wie ich ihn in der Einleitung nannte, der gerne auch das Einwirken der Politik in die Kunst kommentierte : „[…] hat auch Zürich einen Kunstpreis geschaffen und sich dabei, für schweizerische Verhältnisse, besonders angestrengt, in der Weise, das seine Finanzen den Preis zwar nicht spüren, aber die Preisträger dankbar sein dürfen, ohne zu erröten.“
Dürrenmatt hat sich immer wieder zu solchen Bemerkungen „hinreißen“ lassen, auch wenn so mancher Streit die Folge war, aber solche Diskussionen machten ihm Spaß: „Dürrenmatt war gerne Schweizer und schlug sich sehr gerne mit seinen Landsleuten herum.“

Vorworte

Dürrenmatt, Frau Lotti und Paul Flora (SLA)

Das „Geleitwort zu Paul Flora’s ,Trauerflora’“ schrieb Dürrenmatt 1958. Der Text ist sehr kurz, gerade eine Seite lang. Dürrenmatt rühmt die „vorliegenden und charmanten Idyllen“ des Malers Floras und nutzt den kurzen Text geschickt, um den Vorwurf der „Unzeitgemäßheit“ von den Bildern abzuwenden. Floras Arbeiten, die sich mit „der liebenswürdigen Art von Totengräbern“ beschäftigen, verteidigt er gegen moderne Großbetriebe, die die Arbeit der Bestattung mittlerweile erledigen. Eine gewisse Ironie ist spürbar, wenn Dürrenmatt dazu aufruft, den modernen Mechanismen Einhalt zu gebieten und zu einer Rückkehr zum „ehrlichen Totengräberhandwerk“ aufruft: „Das sollte klar sein. Es geht ums Ganze.“
Dürrenmatt faßt sich in diesem Geleitwort kurz und überbringt dem Maler Flora seine Geleitworte eher humoristisch: „Bis dahin: viel Vergnügen beim Durchblättern der Zeichnungen Floras.“ , was vielleicht zeigt, daß er dieses Vorwort nicht allzu ernst genommen hat.
Anders ist das bei der Einleitung zu dem Buch Bernhard Wickis: „Zwei Gramm Licht“, die Dürrenmatt 1960 geschrieben hat. Dürrenmatt nutzte die fotografischen Arbeiten Wickis zu einer ausführlichen Reflexion über Technik und die Frage, ob Fotografie überhaupt eine Kunstform sei. Dürrenmatt beschreibt die Entwicklung des Menschen von „verlausten Horden, nackt um ein qualmendes Feuer herum“ bis zum „erfolgreichsten Lebewesen unserer Zeit.“ In diese hochtechnologisch entwickelte Zeit tritt dann für Dürrenmatt auch der Fotoapparat, der das „Auge des Menschensauries“ ist. Aber ist Fotografie für Dürrenmatt auch Kunst“

(…)
1969 schrieb er einen Text über seinen Freund Varlin und versuchte in diesem Beitrag dessen Bilder einzuordnen: Er beschreibt Varlin als einen Maler „der ins fotografische Zeitalter geriet“ und daher schwer einzuordnen ist. Da Varlin in seinen Bildern meist Menschen porträtierte, dachte Dürrenmatt darüber nach, ob diese Kunstform durch die Erfindung der Fotografie überflüssig geworden sei.

Die Fotografie trieb die Malerei ins Absolute, ins Nur-Malerische,… die Malerei überließ das Dokumentieren der Technik.

Dürrenmatt kommt aber zu dem Schluß, daß auch eine porträtierende Malweise wie die Varlins ihre Berechtigung hat, da sie sich von der porträtierenden Fotografie unterscheidet: „Der Mensch lebt und erlebt nicht wissenschaftlich. Erleben braucht Zeit.“ Von dieser Überlegung her kommt Dürrenmatt zu dem Schluß, daß porträtierendes Malen ein Erleben ist, während die Fotografie ihren dokumentarischen Charakter behält.
(…)

Es zeigt sich, daß Dürrenmatt nicht einfach eine Kunstform favorisierte, sondern daß ihm wichtig war, welche Gedanken sich der Künstler zu seiner Arbeit machte und daß dieser dabei sein Handwerk auch beherrschte.

In den „Notizen zu Hans Falk“, die Dürrenmatt 1975 für die Eröffnung einer Ausstellung von Falks „London Bildern“ geschrieben hat, wird deutlich, daß sich Dürrenmatt nicht nur intensiv mit Kunst, sondern auch mit der Art über Kunst zu schreiben, beschäftigt hat. In der Einleitung des Vorwortes spricht er davon, daß es schwieriger geworden sei, über Bilder zu schreiben, seitdem sie reproduzierbar sind:

Es ist sinnlos geworden, ein Bild erzählen zu wollen, wenn auch das Sinnlose, die Freude es zu tun, nicht ausschließt, im Gegenteil, oft steigert.

Er kennt alle alternativen Ansätze zur Bildbeschreibung, die genutzt werden: Die Möglichkeit, über den Stil des Bildes oder über den Maler selbst zu schreiben, oder es in die künstlerische Epoche einzuordnen. Sofort verwirft er aber diese Möglichkeiten, denn für jede Form dieser Bildbeschreibung gibt es genügend Kritikpunkte und Dürrenmatt kennt diese:Gewiß, man kann über Stile schreiben, […] doch widersprechen läßt sich da nicht und auch nichts beweisen.“

Auch über den Maler zu schreiben, hält Dürrenmatt für keine gute Idee:

Sicher, seine Bilder sind wichtiger als er, wenigstens würde er protestieren.

Auch lehnt Dürrenmatt es ab, Bilder als Dokumente der Zeit einzusortieren:

Das Bild weist dann, so gesehen, mehr auf den Schöpfer der Kunsttheorie, auf den Kritiker also, als auf den Schöpfer des Kunstwerkes hin.

Was bleibt dem Bildbeschreiber dann noch übrig“ Für Dürrenmatt ist das ganz einfach:

So bleibe man doch getrost dem Subjektiven verhaftet. Vermag doch keine Beobachtung so subjektiv zu sein, daß nicht, und sei es unwillkürlich, irgendetwas gültiges herauskommt.

Dürrenmatt hält sich selbst an diese Feststellung und bespricht die Bilder Falks ganz subjektiv: Er empfindet sie als lautlos, auch wenn das für ein Bild nichts ungewöhnliches ist. Diesen Eindruck aber gewinnen die Bilder für ihn durch die Wahl der Technik:

Acryl auf Leinwand […] Dank des Acryls entsteht auch auf großformatigen Bildern der Eindruck der Temperamalerei.

Auch im weiteren Verlauf des Textes beschreibt Dürrenmatt die Bilder Falks gekonnt, in dem er besonders auf die Wirkung der Bilder auf den Betrachter eingeht. Die von ihm anfangs erklärte „Schwierigkeit über Bilder zu schreiben“ gibt es für ihn nicht. Bei Dürrenmatt überwiegt die von ihm selbst postulierte „Freude, es zu tun, die dadurch noch gesteigert wird“ ganz eindeutig.

Essays

Unter den zahlreichen Essays und Texten, die Dürrenmatt über Kunst verfaßt hat, ist „Persönliche Anmerkungen über meine Bilder und Zeichnungen“ an erster Stelle zu nennen, da er, wie kein anderer Text, die Gedanken des „Malers“ Dürrenmatts“ deutlich macht. Daher habe ich ihn auch in der Untersuchung der Motive, die in seinen Stücken und Bildern auftauchen, eingearbeitet und immer wieder daraus zitiert. Aus diesem Grund werde ich an dieser Stelle nicht mehr auf diesen Text eingehen. Ich möchte nun weitere Texte analysieren, die ebenfalls wertvolle Hinweise auf „Dürrenmatts als Maler“ und auf seine Haltung der Kunst gegenüber, geben.

Varlin

Dürrenmatts Freund, der Maler Varlin, hat ihn immer wieder beschäftigt. So gibt es vier Texte, die Varlin zum Thema haben: Zwei Essays, die einfach „Varlin“ heißen, das Gedicht „An Varlin“ und eben genannte Rede „Varlin schweigt.“
Freundschaften zu Künstlern begleiteten Dürrenmatt sein ganzes Leben. Nach Walter Jonas und Christiane Zufferey traf sich Dürrenmatt oft mit dem Bildhauer Hans Aeschbacher und dem Kunstmaler Hans Falk. Unter diesen Freundschaften nimmt die zu Willy Guggenheim, genannt Varlin, aber eine ganz besondere Stellung ein: „Wenn er sich mit ihm auseinandersetzte, befaßte er sich immer auch mit sich selbst. Varlin […] war ihm Entsprechung und Wiederpart, ein Wahlverwandter.“ Dürrenmatt lernte Varlin 1961 durch einen Zufall kennen:

So gab ich dann erst Monate später einer Laune nach und besuchte ihn im Atelier: Ich geriet in eine Mausefalle, die Maus war ich und seitdem hat mich die Beschäftigung mit Varlin nicht mehr verlassen, ja ich darf sagen, ich lebe mit ihm.

Hier spielt Dürrenmatt darauf an, daß sein ganzes Haus mit Varlins Bildern bestückt war. Varlins „Heilsarmee“, ein Bild, über 2 Meter hoch und 5 Meter lang, hing in Dürrenmatts Arbeitszimmer. Um es dort unterbringen zu können, hatte er extra eine Wand versetzten lassen. Allein in Dürrenmatts Arbeitszimmer hingen neben der „Heilsarmee“ noch 33 weitere Bilder Varlins:

[…] das gelangweilte Liebespaar etwa, mir gegenüber, der Mann mit dem braunen Mantel, der sich gerade noch ins ,Vespasienne’ zu schleppen vermag […] So schreibe ich inmitten eines Publikums, das Varlin um mich herumgestellt hat.

Dürrenmatt verfaßte den ersten“Varlin“-Text 1969. Er enthält die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Fotografie, die ich beim Vorwort „Zwei Gramm Licht“ schon ausführlich behandelt habe.
Auch eine weitere Wahlverwandschaft zwischen Dürrenmatt und Varlin wird in dem Text deutlich:

Varlin war auch ein Sprachkünstler, ein Genie des Kalauers, […] Verwandt waren sie sich in ihrem Humor.

Diese in der Sekundärliteratur aufgestellte These, läßt sich am Text gut belegen. Dürrenmatt beschreibt hier Varlins Versuche, ihn zu porträtieren:

Als ich ihm Monate später über den Weg lief, starrte er mich vorwurfsvoll an. Ich sei gar nicht so dick, wie er mich gemalt habe, brummte er. Ich hatte wieder einmal seiner Kunst nicht bestanden.

Auch „Kritik“ nahm Dürrenmatt ihm nicht übel:

Nach einer Aufführung der ,Wiedertäufer’, die er mit einem Verleger besucht hatte, gratulierte er mir herzlich. Er habe wunderbar geschlafen, sagte er begeistert.

Wenn ich Varlin einen „Wahlverwandten“ Dürrenmatts nenne, meint das natürlich nicht nur den Humor, den sich beide auf freundschaftlicher Ebene teilten. Auch der Humor, den Varlin in seine Bilder einfließen ließ, entsprach Dürrenmatts Auffassung von Kunst:

Die Frage, wie ein bestimmter Maler die Welt sieht, die er darstellt, ist die Frage nach dem Wesen seiner Kritik, die er durch die Malerei ausdrückt.

Für Dürrenmatt ist Varlins Kritik sein Humor: „Er sieht die Welt durch seinen Humor und gibt sie mit seinem Humor wieder.“ Im folgenden stellt Dürrenmatt klar, daß Humor die Welt in zwei Lager teilt: Es gibt Menschen mit Humor, und es gibt welche ohne. Genauso gibt es für Dürrenmatt eine Kultur mit und ohne Humor, und Humor kann nur der verstehen, der auch Humor hat. Außerdem erklärt er, daß Humor eine individuelle Fähigkeit jedes Menschen ist.
Das bedeutet, daß Dürrenmatt Menschen, die Varlins Bilder nicht verstehen, unterstellt, dessen Humor nicht zu besitzen oder zu verstehen. Er sieht Varlins Bilder aber nicht als Karikaturen, nur weil sie humoristische Züge enthalten:

Varlins Humor ist durchaus nicht harmlos, sonst wäre es auch seine Malerei. Ihn auszuhalten verlangt Größe.

Am Ende des Textes zeigt sich dann, daß die Wahlverwandschaft zwischen Dürrenmatt und Varlin, was ihren Humor betraf, auch für Varlins Arbeiten galt, wie ich bereits feststellte. Dürrenmatt schreibt: „Man wird mir vorwerfen, Varlins Kunst allzusehr von meinem Standpunkt aus zu beurteilen. Mein Recht. Ich bin von Varlin begeistert. Das muß auch einen Grund in mir haben.“ Der Grund ist der, daß beide eine ähnliche kritische Grundhaltung haben, die laut Dürrenmatt bewirkt, daß „der Künstler malt“ oder der „Schriftsteller schreibt.“

Zusammenfassung

Ob man Dürrenmatts Essays, Vorworte oder Reden betrachtet, es wird immer wieder deutlich, daß er eine „natürliche Herangehensweise“ an die Kunst bevorzugte. Immer wieder verurteilte er Forderungen von „Moralisten“, wie in der Rede „Varlin schweigt“, immer wieder kritisierte er überzogene, theoretische Forderungen wie in dem kurzen Essay „Kunst“. Künstler und Kunstliebhaber, die seine Meinung teilten, wurden von ihm „gelobt“, so wie sein Freund Varlin oder der Literat Manuel Gasser.
Ebenso geradlinig wie er an Kunst heranging, verfaßte Dürrenmatt auch seine Bildbesprechungen. Er „begnügt“ sich damit, seine subjektiven Empfindungen zu formulieren, anstatt über den Maler an sich, oder dessen Stil zu diskutieren.
Ebenfalls merkt man den Texten an, daß Dürrenmatt gerne über Kunst diskutierte, selber aber einen unbefangen Zugang zu ihr hatte: Er sah die Kunst als ein Naturphänomen, an dem man sich erfreuen soll.
Trotz der genannten Unbefangenheit ist Dürrenmatt nie leichtfertig an die bildende Kunst herangetreten. Der Umfang und Inhalt seiner Essays zeigt, daß er über ein umfangreiches theoretisches Basiswissen verfügte. Auch in seinen Reden und Einleitungen verhandelt er immer wieder „kunsttheoretische“ Fragen.

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