Fukushima, H5N1 und Jimmy Carter: Dürrenmatts chilling words

Dass Dürrenmatt ein Autor mit dem gewissen Weitblick war, dürfte besonders in diesem Jahr wieder vielen bewusst geworden sein: Als sich in Japan das Unglück um das Atomkraftwerk in Fukushima ereignete, wurden zunächst in verschiedenen Feuilletons die warnenden Worte des Autors zitiert. Als im Dezember die Entwicklung eines neuen H5N1-Virus bekannt und die Frage nach dem Umgang mit dem gefährlichen Wissen der Wissenschaftler diskutiert wurde, zitierten Journalisten der FAZS (Volker Stollorz, Sonja Kastilan, Jörg Albrecht) und der ZEIT (Wissenschaft) das bekannte Dürrenmatt-Wort „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurück genommen werden“.

Es ist viel Wahres daran, was auch die aktuelle Lösung zeigt: Andere Virologen arbeiten bereits mit den Ergebnissen – um mehr über diesen gefährlichen Erreger zu erfahren. Dürrenmatt selbst hätte es wohl wenig gefreut, in seinen Gedankengängen bestätigt zu werden – mahnte er doch, um Schlimmeres zu verhindern. Wann werden wir aus seinen Texten zur gefährlichen Zunahme der Weltbevölkerung, den Spätfolgen der Raumfahrt oder der Evolution der Computer zitieren?

Übrigens: Der Gedanke aus den Physikern schaffte es 1977 bis in die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Auch in Amerika und Kanada waren die Physiker aufgeführt worden, das erklärt vielleicht, dass US-Präsident Jimmy Carter Dürrenmatt vor der politisch hochdekorierten internationalen Vertreterschaft zitiert, als er sich am 4. Oktober 1977 für die Notwendigkeit aussprach, Atomwaffen auf der Welt zu kontrollieren und zu diesem Zweck ein zweites SALT-Abkommen zwischen den Staaten auszuhandeln. „…When atomic weapons were used for the first time, Winston Churchill described the power of the atom as a revelation long, mercifully withheld from man. Since then we have learned in Durrenmatt’s chilling words that „what has once been thought can never be un-thought.“ Und Carter fügt hinzu,  „if we are to have any assurance that our children are to live out their lives in a world which satisfies our hope – or that they will have a chance to live at all – we must finally come to terms with this enormous nuclear force and turn it exclusively to beneficial ends.“

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